Haltungsanalyse

Warum Körperhaltung messen?

Sicherlich gibt es günstige und weniger gute Körperhaltungen. Wenn beim Stehen alle „Bausteine“ des Körpers, also Füße, Beine, Becken, Schultern und Kopf übereinander „im Lot“ stehen, so ist die Belastung der Bandscheiben und Wirbelgelenke am niedrigsten. Eine ungünstige Arbeitshaltung kann dann zu Fehlbelastungen der Gelenke führen. Da die Wirbelsäule durch Muskeln stabilisiert wird, kann eine schlechte Körperhaltung auf Dauer auch dazu führen, dass einzelne Muskeln überlastet werden. Diese muskuläre Verhärtung führt nicht selten zu Schmerzen, gerade im Schulter-Nacken-Bereich.

Das Ausmessen der Körperhaltung ist für viele Patienten ein erster Schritt, mit ihrer Fehlhaltung vertraut zu werden – ein wichtiger psychologischer Aspekt, um Hilfsmittel oder eine Behandlung zu akzeptieren.

Viele orthopädische Hilfsmittel beeinflussen die Körperhaltung. Podoätiologische Einlagen beeinflussen die Körperhaltung positiv. Durch die Haltungsmessung kann die Wirksamkeit gezeigt werden.

Wie lässt sich die Haltung messen?

Wie lässt sich die Haltung messen?

Physiologische Größen, wie zum Beispiel der Blutdruck, schwanken im Tagesverlauf. Ähnlich ist dies bei der Körperhaltung. Allerdings wurden in den letzten Jahren Messmethoden entwickelt, die Haltungsschwächen aufzeigen können. Das von uns eingesetzte CORPUS-Messsystem richtet sich nach diesen Erkenntnissen und misst die Haltung von Kopf bis Fuß.

Durch eine Messung kann die Veränderung der Körperhaltung durch unsere propriozeptiven (podoätiologischen) Einlagen aufgezeigt werden.

Das CORPUS-Messsytem wurde in Kooperation mit der Universität des Saarlandes entwickelt und wird bereits über 120 mal eingesetzt.

Welche Messgrößen beschreiben die Körperhaltung?

Bei der seitlichen Haltung sind insgesamt drei Zahlenwerte interessant:

Die Lotabstände

Im Normalfall sollen Hüfte, Schultergelenk und Ohr etwa über dem
Knöchellot liegen: Eine Abweichung von bis zu 2% der Körpergröße
gilt als norm.

Der Rückenneigungswinkel des Oberkörpers

Gewöhnlich neigt sich der Oberkörper zwischen
100 und 200 nach hinten.

Der Haltungsindex

Er beschreibt die Lage einzelner Teile des Rumpfes zueinander.
Eine stabile Haltung liegt im Zahlenbereich zwischen 1.0 und 1.3 

Natürlich kann man nun fragen, warum die Körperhaltung mit mehreren verschiedenen Zahlenwerten beschrieben wird. Die Antwort ist ganz einfach: eine schwache Haltung kann sich auf verschiedene Arten zeigen. Da die Körperhaltung unbewusst vom Zentralnervensystem kontrolliert wird, reagiert jeder Patient auch etwas anders:

  • Bei manchen Haltungsschwächen lehnen die Patienten ihren Oberkörper stark nach hinten. Dabei ändert sich der Rumpfwinkel und der Ohr-Lot-Abstand, aber der Hüft-Lot-Abstand bleibt oft gleich.
  • Andere sacken in sich zusammen – dabei bleiben die Lotabstände gleich, aber der Körper krümmt sich wie ein S um seine Mittellinie. In diesem Fall ändert sich nur der Haltungsindex.
  • Hat der Patient Defizite in seiner Körperwahrnehmung, so sind Oberkörperneigung und Haltungsindex oft im Normbereich, aber der Patient lehnt sich beim Stehen deutlich nach vorn. Dann nehmen die Abstände von Hüft-Lot, Schulter-Lot und Ohr-Lot von unten nach oben zu.

Durch die drei Messwerte kann also die seitliche Haltung sehr differenziert beschrieben werden.

Bei der dorsalen Haltung interessieren vor allem zwei Messwerte:

Der Beckenwinkel
Er beträgt im günstigsten Fall 00. Abweichungen     von 20   in jede Richtung können toleriert werden. Bei größeren Werten steht oft das Becken schief. Dies kann durch weitere Hilfsmittel (Beckenwaage) gegengeprüft werden.

Der Lotwinkel
Er beträgt ebenfalls optimal 00, wenn der Rumpf     senkrecht steht. Abweichungen von mehr als 20  zeigen eine Seitenneigung des Oberkörpers an

 

Wirkung der propriozeptiven (podoätiologischen) Einlage auf die Körperhaltung

 Augen geschlossen
 

 Augen geschlossen
 Person steht auf podoätiologischen Einlagen

Bei geschlossenen Augen verfällt der Patient ohne die propriozeptiven (podoätiologischen) Einlagen in eine starke Vorneigung mit großen Lotabständen (linkes Bild). 

Durch die propriozeptiven ( podoätiologischen) Einlagen richtet sich die Körperhaltung zielgerichtet auf, Ohr-Lot- und Schulter-Lot-Abstand verbessern sich (rechtes Bild).

Messverfahren

  • Analyse der seitlichen Haltung, habituell & aktiv, mit & ohne Versorgung
  • Haltungsindex, Rumpfwinkel, Lotabstände
  • Matthiass-Test Analyse von Beckenschiefständen
  • Analyse der Körpersymmetrie, frontal und dorsal
  • Berechnung des statischen Achillessehnenwinkels
  • Vermessung der Beinachse

 

Quellenangabe: Texte und Grafiken mit freundlicher Genehmigung aus: Haltungsanalyse im Sanitätshaus 
© AFG Idar-Oberstein/Corpus-concepts